Wenn Sie kaufen wollen, was nicht zum Verkauf steht.
- 24. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Manchmal habe ich das Gefühl, dass manche Männer gar nicht zu einer Begegnung kommen.
Sie kommen wie ins Theater – allerdings mit ihrem eigenen Drehbuch.
Mit einem Drehbuch, das sie zuvor allein in ihrem Kopf geschrieben haben.
Vor Kurzem gab es eine Situation, die mich erneut darüber nachdenken ließ.
Ein Mann schrieb mir im Voraus, dass er sich ein Rollenspiel wünsche.
Ich erklärte ihm ruhig, dass ich mit einem neuen Menschen nicht in diesem Format arbeite.
Nicht, weil ich es nicht kann.
Und auch nicht, weil ich grundsätzlich keine Lust darauf habe.
Sondern weil solche Dinge Vertrauen erfordern.
Ein Gefühl für den Menschen.
Für seinen Charakter.
Für seine Reaktionen.
Und zumindest ein Mindestmaß an Vertrautheit.
Das ist keine Vorstellung, die sich auf Knopfdruck einschalten lässt.
Viele sehen das offenbar anders.
Sie glauben, wenn eine Dienstleistung grundsätzlich angeboten wird, müsse man nur dafür bezahlen.
Doch das Leben ist ein wenig komplizierter.
Trotzdem entschied sich der Mann, zu kommen.
Und dann begann das, was ich in Gedanken ganz einfach nenne - „Und jetzt unterhalte mich.“
Mach mir Kaffee.
Präsentiere dich.
Tanze für mich.
Sorge für Stimmung.
Lass mich dich kennenlernen.
Und all das in einem Zeitrahmen, der eine solche Art von Begegnung nicht einmal ansatzweise vorsieht.
Und übrigens, wenn wir schon beim Kaffee sind …
Eine Sache überrascht mich immer wieder.
Manche Männer kommen, als hätten sie auf einer paradiesischen Insel ein Zimmer in einem Fünf-Sterne-All-inclusive-Hotel gebucht.
– Mach mir Kaffee.
– Bring mir Wasser.
– Biete mir Tee an.
Manchmal möchte man fragen: was hat Sie eigentlich daran gehindert, sich unterwegs eine Flasche Wasser zu kaufen?
Oder einen Kaffee mitzubringen, wenn er Ihnen so wichtig ist?
Manche erwarten offenbar ganz selbstverständlich eine Art Restaurantservice an einem Ort, an dem dieser nie versprochen wurde.
Und dabei geht es nicht einmal um die Tasse Kaffee.
Es geht um die Haltung dahinter.
Wenn ein Mensch vom ersten Moment an Anweisungen erteilt oder fordernde Wünsche äußert, vergisst er eine ganz einfache Sache.
Vor ihm steht keine Kellnerin.
Kein Zimmermädchen.
Und auch kein persönliches Bedienungspersonal.
Vor ihm steht eine Frau.
Und jedes Mal stellt sich mir dieselbe Frage: sind Sie wirklich zu einer Begegnung gekommen?
Oder suchen Sie eine Frau, die mehrere Stunden lang das Drehbuch aus Ihrem Kopf aufführt und für Sie einen ganzen Zirkus veranstaltet?
Es gibt eine Sache, die viele offenbar nicht verstehen.
Eine professionelle Begegnung ist kein Date.
Kein Ein-Personen-Theater.
Und ganz sicher keine stundenlange Präsentation der eigenen Persönlichkeit.
Sehr häufig möchte ein Mann etwas erhalten, das sich in keine Preisliste aufnehmen lässt.
Echtes Interesse.
Emotionen.
Leichtigkeit.
Ein wirkliches Kennenlernen.
Das Gefühl, als würde alles ganz von selbst entstehen.
Doch genau das kann man nicht kaufen.
Ja, viele Frauen gehen auf solche Wünsche ein.
Aber nur wenige denken darüber nach, was das emotional kostet.
Jedes Mal muss man spielen.
Sich anpassen.
Stimmung erzeugen.
Emotionen investieren.
Und wenn man das täglich tut, kommt es früher oder später zur emotionalen Erschöpfung.
Deshalb sollte es niemanden überraschen, dass viele professionelle Frauen Grenzen setzen.
Das ist keine Kälte.
Es ist eine Möglichkeit, sich selbst zu schützen.
Und wissen Sie, was ich immer häufiger beobachte?
Hinter solchen Wünschen steckt oft gar nicht der Wunsch nach einem Rollenspiel.
Sondern der Wunsch, sich besonders zu fühlen.
Dass gerade für ihn eine Ausnahme gemacht wird.
Dass gerade er unterhalten wird.
Dass sich die gesamte Begegnung nur um ihn dreht.
Doch Ausnahmen entstehen nicht auf Befehl.
Sie entstehen aus Vertrauen.
Aus Respekt.
Aus menschlichem Kontakt.
Und vielleicht ist das der wichtigste Punkt.
Sehr viele Männer kommen mit dem Gedanken: „Ich bezahle, also muss die Frau.“
Aber manche Dinge entstehen nicht allein deshalb, weil man dafür bezahlt hat.
Man kann kein echtes Interesse kaufen.
Keine Sympathie.
Keine Gefühle.
Und auch nicht den Wunsch eines Menschen, in Ihrer Gegenwart wirklich er selbst zu sein.
Man kann Zeit kaufen.
Man kann eine Dienstleistung bezahlen.
Aber man kann keine echte Beziehung kaufen.
Deshalb denke ich nach solchen Begegnungen manchmal gar nicht über Männer nach.
Ich denke darüber nach, wie oft Menschen versuchen, mit Geld etwas zu ersetzen, das auf eine völlig andere Weise entstehen müsste.
Durch Respekt.
Durch Kommunikation.
Durch die Fähigkeit, vor sich nicht nur eine Dienstleistung zu sehen.
Sondern einen Menschen.
Das ist keine private Begegnung.
Es ist eine Begegnung mit einer professionellen Frau.
Doch viele vermischen diese beiden Welten.
Sie erwarten das Verhalten einer Partnerin, emotionale Nähe, ein Date, Fürsorge und persönliches Interesse – kommen aber zu einer professionellen Begegnung.
Und wissen Sie …
Frauen in diesem Beruf werden sehr oft als materialistisch bezeichnet.
Doch wenn wir ehrlich hinschauen: ist das wirklich so?
Hier verlangt niemand Ihre Liebe.
Niemand erwartet teure Geschenke.
Niemand fordert tägliche Nachrichten.
Niemand fragt, warum Sie gestern nicht angerufen haben.
Niemand macht Ihnen Eifersuchtsszenen.
Von Ihnen wird nur eines erwartet.
Respekt.
Und die Bezahlung der Zeit und der Dienstleistung, die zuvor vereinbart wurden.
Das Paradoxe ist, dass von einem Mann gerade hier am wenigsten emotionale Verpflichtung verlangt wird.
Und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum viele solche Begegnungen wählen.
Denn hier ist alles klar.
Ohne Versprechen.
Ohne Illusionen.
Ohne die Verpflichtung, fremden Erwartungen zu entsprechen.
Wir spielen keine Beziehung.
Wir bieten eine professionelle Dienstleistung an.
Gerade deshalb erscheint es mir immer wieder merkwürdig, wenn jemand versucht, etwas zu kaufen, das grundsätzlich nicht zum Verkauf steht.
Echtes Interesse.
Aufrichtige Sympathie.
Emotionale Nähe.
All das entsteht an einem ganz anderen Ort.
Nicht in einer Preisliste.
Nicht in einem Leistungskatalog.
Und nicht auf Verlangen.
Vielleicht sollte man sich deshalb nur eine einzige Frage stellen: sind Sie wegen einer Dienstleistung gekommen?
Oder hoffen Sie, ein Gefühl zu kaufen, das Ihnen im eigenen Leben fehlt?
Denn das sind zwei vollkommen verschiedene Dinge.
Eine professionelle Begegnung kann Vergnügen schenken.
Doch echte Nähe kann man nicht kaufen.
Sie beginnt immer mit dem gegenseitigen Wunsch, einander nah zu sein – nicht mit bezahlter Zeit und einer kostenlosen Tasse Kaffee.
Safe Space ist ein Ort, an dem man offen darüber sprechen kann.



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