Ihr habt euch ein Drehbuch ausgedacht. Aber warum soll ich darin mitspielen?
- vor 2 Tagen
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In letzter Zeit fällt mir immer häufiger eine interessante Tendenz auf.
Ein Mann schreibt, dass er mich besuchen möchte.
Eigentlich wunderbar. Man kann über die Uhrzeit, die Bedingungen und den Service sprechen und einen Termin vereinbaren.
Aber nein.
Manchmal folgt danach ein komplettes Drehbuch.
„Du sollst das anziehen.“
„Und das.“
„Das Korsett muss genau so aussehen.“
„Solche Strümpfe.“
„Dieser Stoff.“
„Diese Schuhe.“
Und am Ende kommt fast schon großzügig: „Dann komme ich.“
Und jedes Mal möchte ich fragen: warum habt ihr eigentlich beschlossen, dass eine Frau für euren Besuch extra bestimmte Sachen kaufen soll?
Vor allem dann, wenn auf ihren Fotos und in ihrer Anzeige nichts dergleichen zu sehen ist.
Vor Kurzem schickte mir ein Mann genau so eine Wunschliste:
«- einen figurbetonten Rock (aber keinen Minirock), eine transparente Bluse, hohe Pumps oder Highheels.
- darunter wäre toll: - eine Spitzenkorsage mit Strumpfhalter, das passende Spitzenhöschen dazu und Nylons für die Strumpfhalter der Korsage.»
(Rechtschreibung und Formulierungen im Original beibehalten ).
Ich antwortete ihm ganz ehrlich: „Sorry, ich bin für eine Woche in dieser Stadt. Meinen Kleiderschrank nehme ich nicht mit auf Reisen.“
Er war beleidigt.
Und genau das finde ich eigentlich am Interessantesten.
Nicht ich hatte ihm ein bestimmtes Outfit versprochen und mich anschließend geweigert.
Nicht ich hatte dieses Szenario vorgeschlagen.
Er hatte es sich selbst ausgedacht.
Selbst die Rollen verteilt.
Selbst entschieden, dass ich alles Notwendige besorgen sollte.
Und war anschließend selbst beleidigt, weil die Realität sich weigerte, dem Drehbuch in seinem Kopf zu folgen.
Ihr wollt etwas Besonderes? Bringt es mit.
Ich habe überhaupt kein Problem mit besonderen Wünschen.
Wenn ein Mann bestimmte Kleidung mag und eine Frau gerne genau darin sehen möchte – warum nicht?
Nach meiner Erfahrung machen Männer, denen das wirklich wichtig ist, etwas ganz Einfaches: sie bringen das gewünschte Kleidungsstück selbst mit.
Wenn es neu, sauber oder zumindest frisch gewaschen ist und ich mich darin wohlfühle, habe ich damit kein Problem.
Das nennt man eine normale Absprache.
Aber zu erwarten, dass eine Frau für einen einzigen Termin loszieht, um ein bestimmtes Korsett in einem bestimmten Schnitt und aus einem bestimmten Material zu suchen, weil ihr sonst nicht kommt …
Entschuldigt, aber vielleicht ist es dann tatsächlich besser, wenn ihr nicht kommt.
Es ist nicht der Wunsch der Frau.
Es ist euer spezieller Wunsch.
Also liegt es in erster Linie auch bei euch, ihn zu organisieren.
„Ich möchte mit dir zusammen duschen.“
Noch ein beliebter Wunsch: „Ich möchte mit dir zusammen duschen.“
Darauf habe ich eine ganz einfache Antwort.
Ich möchte es nicht.
Ich mag es nicht.
Auch nicht gegen Geld.
Und für manche Männer scheint genau das beinahe eine persönliche Tragödie zu sein.
Wie bitte?
Er möchte etwas – und die Frau möchte es nicht?
Ja.
Stellt euch vor.
So etwas gibt es.
Eine professionelle Begegnung hebt persönliche Grenzen nicht auf.
Eine Frau hört nicht auf, ein Mensch zu sein, nur weil ihr für ihre Zeit bezahlt.
Es gibt Dinge, die sie mag.
Dinge, die sie nicht mag.
Dinge, die sie anbietet.
Und Dinge, die sie nicht anbietet.
Und ein Bad bedeutet nicht einfach nur: „Lass uns ein bisschen im Wasser liegen“
Beim Thema Badewanne wird es noch interessanter.
Von außen sieht alles wunderbar romantisch aus.
Badewasser einlassen.
Gemeinsam darin liegen.
Herrlich.
Nur fehlt in dieser schönen Vorstellung meistens der Mensch, der das Ganze vorbereiten muss.
Die Badewanne füllen.
Das Wasser danach ablassen.
Alles reinigen.
Das Badezimmer wieder in Ordnung bringen.
Zusätzliche Zeit investieren.
Und auch Wasser, Energie und andere Ressourcen entstehen – so überraschend das vielleicht klingen mag – nicht kostenlos.
Wenn eine Frau also sagt: „Okay, das ist möglich, kostet aber zusätzlich/ extra“,
sind manche Männer schon wieder beleidigt.
Warum?
Weil es ihrer Vorstellung nach einfach dazugehören sollte.
Aber warum eigentlich?
Wenn euer individueller Wunsch zusätzliche Zeit und zusätzliche Ressourcen benötigt, warum soll die Frau dafür bezahlen?
Ihr wollt ein zusätzliches Szenario.
Sie nennt euch die Bedingungen.
Danach ist die Sache eigentlich sehr einfach: entweder die Bedingungen passen für euch.
Oder eben nicht.
Das nennt man eine Vereinbarung zwischen erwachsenen Menschen.
Und dann kommt das Interessanteste: „Hast du denn keine Lust?“
Das ist wahrscheinlich eine meiner Lieblingsfragen.
„Hast du denn keine Lust, mich zu sehen?“
Bleiben wir doch bitte realistisch.
Ihr kommt zu einer professionellen Begegnung.
Wir können freundlich sein.
Wir können eine angenehme Atmosphäre schaffen.
Wir können lachen, reden und flirten.
Zwischen zwei Menschen kann durchaus Sympathie entstehen.
Manchmal ist eine Begegnung sogar so leicht und angenehm, dass sich die Arbeit für eine Weile überhaupt nicht wie Arbeit anfühlt.
Aber das im Voraus zu verlangen?
Zu erwarten, dass eine unbekannte Frau bereits voller Vorfreude dasitzt und ausgerechnet auf euer Erscheinen wartet?
Ernsthaft?
Wir kennen euch noch nicht einmal.
Warum sollten wir euch also bereits begehren?
Nur weil ein Mann eine Frau begehrt, bedeutet das nicht automatisch, dass die Frau ihn ebenfalls begehren muss.
Auch dann nicht, wenn die Begegnung bezahlt wird.
Und vielleicht ist genau diese einfache Wahrheit für manche besonders schwer zu akzeptieren.
Ihr erschafft eure Erwartungen selbst – und seid anschließend selbst enttäuscht.
Genau das verbindet all diese Situationen.
Der Mann denkt sich selbst ein Szenario aus.
Er entscheidet selbst, wie die Frau aussehen soll.
Was sie anziehen soll.
Was sie wollen soll.
Was sie zusätzlich tun soll.
Wie sie ihn empfangen soll.
Und wie sehr sie sich über sein Erscheinen freuen soll.
Nur weiß die Frau von diesem Drehbuch oft überhaupt nichts.
Und wenn sie dann sagt:
„Nein.“
„Das mache ich nicht.“
„Das habe ich nicht.“
„Das ist gegen Aufpreis möglich.“
Oder einfach: „Das mag ich nicht“, - kommt die Enttäuschung.
Und manchmal erscheint später ein Bericht im Forum.
„Kalt.“
„Keine Lust.“
„Unfreundlich.“
„Alles nur gegen Geld.“
Aber vielleicht solltet ihr euch, bevor ihr so etwas schreibt, eine andere Frage stellen: habt ihr von einer völlig fremden Frau vielleicht etwas erwartet, das sie euch niemals versprochen hat?
Euer Wunsch ist nicht die Verpflichtung eines anderen Menschen.
Genau hier liegt meiner Meinung nach die Ursache vieler Enttäuschungen.
Ihr dürft etwas wollen.
Ihr dürft fragen.
Ihr dürft etwas vorschlagen.
Ihr dürft fantasieren.
Ihr dürft eure Wünsche besprechen.
Aber der andere Mensch hat genau dasselbe Recht zu sagen: „Nein.“
Ohne Schuldgefühle.
Ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Und ohne die Verpflichtung, eure Enttäuschung anschließend auszugleichen.
Denn euer Wunsch erzeugt keine Verpflichtung für einen anderen Menschen.
Auch nicht im Rahmen einer professionellen Dienstleistung.
Ihr kauft keine bedingungslose Erfüllung eurer Fantasien.
Ihr vereinbart eine konkrete Begegnung zu konkreten Bedingungen.
Und je früher beide Seiten das verstehen, desto weniger gibt es anschließend beleidigte Männer, angeblich „kalte“ Frauen und vernichtende Erfahrungsberichte in Foren.
Manchmal liegt das Problem tatsächlich nicht an einem schlechten Service.
Manchmal liegt das Problem einfach in einem Drehbuch, das ein Mensch in seinem eigenen Kopf geschrieben hat – und dabei vergessen hat, es dem anderen überhaupt zu zeigen.
Safe Space ist ein Ort, an dem man offen daüber sprechen kann.



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