Ich bin schön. Aber wer macht eigentlich die Arbeit?
- vor 14 Stunden
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Ich schreibe viel über Männer.
Über ihre Erwartungen.
Über mangelnden Respekt gegenüber Frauen.
Über Versuche, etwas zu kaufen, das gar nicht käuflich ist.
Über diese merkwürdige Überzeugung, dass Geld automatisch das Recht gibt, über einen anderen Menschen zu bestimmen.
Aber der Fairness halber sollte man manchmal auch in die andere Richtung schauen.
Denn Professionalität ist keine Einbahnstraße.
Und wenn wir Respekt für uns selbst, unsere Grenzen, unsere Zeit und unser „Nein“ verlangen, dann sollten wir auch den Menschen respektieren, der zu uns kommt und für genau den Service bezahlt, den wir selbst angeboten haben.
In letzter Zeit beobachte ich in der Branche immer häufiger eine ziemlich merkwürdige Entwicklung.
Manchmal habe ich das Gefühl, mit der TikTok-Ära ist auch ein völlig neues berufliches Konzept bei uns angekommen: „Ich bin jung. Ich bin schön. Das reicht.“
Ich ziehe mich aus – also sei erregt.
Ich bin da – also bewundere mich.
Ich existiere – also bezahl mich.
Aber wer macht eigentlich die Arbeit?
Schönheit ist noch lange kein Service.
Ich bin nicht erst seit gestern in dieser Branche. Nicht mein halbes Leben, aber lange genug, um zu sehen, wie sie sich verändert.
Und inzwischen kommen tatsächlich sehr viele junge Frauen in die Branche.
Ich möchte jetzt nicht zu dieser Frau werden, die ständig sagt: „Also, zu unserer Zeit…“ 😄
Zumal ich glaube, dass dieses Problem weit über unsere Branche hinausgeht.
Ich höre inzwischen aus den unterschiedlichsten Bereichen immer wieder dasselbe: eine junge Generation kommt, die sehr genau weiß, wie viel sie verdienen möchte – aber deutlich weniger darüber nachdenkt, wofür dieses Geld eigentlich bezahlt werden soll.
Alle wollen Freiheit.
Gutes Einkommen.
Flexible Arbeitszeiten.
Möglichst wenige Verpflichtungen.
Nur die Arbeit selbst soll irgendwie von allein passieren.
In unserer Branche fällt das besonders auf, weil man sich hier nicht hinter einem Computer, einer Präsentation oder einem schönen Lebenslauf verstecken kann.
Hier steht ein echter Mensch vor dir.
Und wie eure Begegnung verläuft, hängt nicht nur davon ab, wie schön du auf deinen Fotos aussiehst.
Ja, Aussehen spielt eine Rolle.
Natürlich.
Aber schöne Fotos sind Werbung.
Ein schöner Körper kann einen Mann anziehen.
Jugend kann Interesse wecken.
Doch all das endet in dem Moment, in dem sich die Tür schließt.
Und dann beginnt die Arbeit.
Ein Mann muss nicht allein bei deinem Anblick automatisch eine Erektion bekommen.
Manchmal hat man tatsächlich den Eindruck, manche Frauen würden genau das erwarten.
Ich bin jung.
Ich bin schön.
Ich habe mich ausgezogen.
Warum passiert nichts?
Dann liegt das Problem wohl bei ihm.
Nein.
Nicht unbedingt.
Auch Männer sind Menschen.
Sie sind nervös.
Sie sind müde.
Sie sind unsicher.
Sie haben Stress, Probleme und Selbstzweifel.
Manche brauchen einfach mehr Zeit.
Für manche sind ein Gespräch, Berührungen, Flirt und Atmosphäre wichtig.
Und mancher Mann war vielleicht seit Jahren nicht mehr bei einer Frau und fühlt sich plötzlich, als müsste er eine mündliche Prüfung vor einer Kommission ablegen.
Genau hier beginnt Professionalität.
Nicht darin, jeden Mann um jeden Preis zum Höhepunkt zu bringen.
Wir sind keine Zauberinnen.
Und ganz sicher keine Automaten zur Produktion männlicher Orgasmen.
Professionalität bedeutet, eine Situation einschätzen zu können, zu kommunizieren, Grenzen ruhig zu erklären und – wenn etwas nicht funktioniert – aus der Begegnung keine Demütigung für eine der beiden Seiten zu machen.
Denn vor einer Frau steht nicht einfach ein Portemonnaie mit männlichem Geschlechtsorgan.
Genauso wenig steht vor einem Mann ein für eine Stunde gekaufter weiblicher Körper.
Da stehen sich zwei Menschen gegenüber.
Warum man beide Seiten ständig daran erinnern muss, bleibt mir ein Rätsel.
„Ich habe bezahlt“ bedeutet trotzdem nicht „Ich habe dich gekauft“.
Hier muss man eine sehr klare Grenze ziehen.
Wenn eine Frau einen bestimmten Service anbietet, diesen vorher vereinbart, das Geld dafür annimmt und anschließend entscheidet, dass sie eigentlich nichts davon machen möchte, dann hat der Mann jedes Recht, unzufrieden zu sein.
Und ich kann ihn verstehen.
Aber hier müssen wir zwei Dinge voneinander trennen, die ständig miteinander vermischt werden.
Der Mann hat die Frau nicht gekauft. Aber die Frau hat Geld für einen vereinbarten Service angenommen.
Das eine hebt das andere nicht auf.
Eine vorherige Zustimmung zu einer bestimmten Praktik ist keine unwiderrufliche Zustimmung.
Eine Frau kann „Stopp“ sagen.
Ein Mann übrigens auch.
Aber mit einem „Stopp“ verschwindet die professionelle Verantwortung nicht.
Dann beginnt lediglich der nächste Teil erwachsener Kommunikation: was machen wir jetzt?
Wenn ihr vorher einen bestimmten Service angeboten habt.
Wenn der Mann nach den Bedingungen gefragt hat.
Wenn ihr bestätigt habt, dass ihr diesen Service anbietet.
Und wenn ihr anschließend genau unter diesen vereinbarten Bedingungen das Geld angenommen habt – dann ja:
Nicht, weil der Mann euch gekauft hätte.
Nicht, weil euer Körper nach der Geldübergabe plötzlich nicht mehr euch gehören würde.
Und auch nicht, weil ihr ab diesem Moment alles ertragen müsstet.
Sondern weil ihr selbst diese Bedingungen angeboten und dafür Geld angenommen habt.
Das nennt man professionelle Verantwortung.
Natürlich kann jederzeit eine Situation entstehen, in der es nicht möglich ist, weiterzumachen.
Ihr fühlt euch plötzlich nicht gut.
Der Mann hält sich nicht an die Vereinbarungen.
Er überschreitet Grenzen.
Er verhält sich aggressiv.
Oder ihr merkt einfach, dass eine bestimmte Handlung für euch in diesem Moment nicht möglich ist.
Das Recht, „Stopp“ zu sagen, bleibt immer bestehen.
Aber dann stellt sich eine andere Frage: was macht ihr mit der Leistung, für die ihr bereits Geld angenommen habt?
Ihr erklärt die Situation.
Ihr könnt sagen:
„Entschuldige, ich weiß, dass wir etwas anderes vereinbart hatten, aber ich kann das gerade nicht.“
Ihr könnt eine Alternative anbieten.
Ihr könnt über das Geld sprechen.
Ihr könnt die Begegnung auch vollständig beenden.
Aber die Variante: „Ich habe es versprochen – ich habe das Geld genommen – ich habe es mir anders überlegt – das Geld behalte ich trotzdem und du kannst jetzt gehen“
hat weder etwas mit weiblichen Grenzen noch mit weiblicher Freiheit zu tun.
Das ist schlicht unprofessionell.
Und hier muss man weder aus dem einen ein Monster noch aus der anderen ein Opfer machen.
Ein Mann, der den vorher vereinbarten Service erwartet, wird nicht automatisch zum Aggressor, nur weil er dafür bezahlt hat.
Genauso wenig wird eine Frau automatisch zur Betrügerin, wenn sie während einer Begegnung merkt, dass sie nicht weitermachen kann.
Eine erwachsene Lösung liegt zwischen diesen beiden Extremen.
Ihr Körper bleibt ihr Körper.
Aber sein Geld hört deshalb nicht auf, sein Geld zu sein.
Eine Zustimmung kann zurückgenommen werden.
Dann muss aber auch die Frage der Bezahlung für einen Service, der nicht mehr erbracht wird, fair geklärt werden.
Der Satz „Mein Körper, meine Regeln“ darf nicht zu einem bequemen Schutzschild werden, hinter dem man Geld für einen versprochenen Service annimmt, diesen nicht erbringt und anschließend meint, damit sei jede Diskussion beendet.
Und ich glaube, auch darüber sollten wir innerhalb unserer Branche ehrlich sprechen.
Wir können von Männern nicht verlangen, unsere Vereinbarungen zu respektieren, während wir unsere eigenen Vereinbarungen gleichzeitig für unverbindlich halten.
Grenzen und Anstand können wunderbar nebeneinander existieren.
Respekt funktioniert in beide Richtungen.
Professionalität übrigens auch.
Manchmal sollte eine Begegnung einfach gar nicht stattfinden.
Ich selbst hatte einmal eine Situation, an die ich mich sehr gut erinnere.
Ein Mann kam zu mir.
Er sah sehr gut aus. War gut gekleidet, sauber, gepflegt und im Umgang völlig normal.
Aber ich bemerkte einen deutlichen Alkoholgeruch.
Ich sprach ihn direkt darauf an.
Ohne Streit.
Ohne Vorwürfe.
Ich erklärte ihm einfach: „Entschuldige, aber das ist für mich eine Grenze. Ich arbeite nicht mit einem Mann, der getrunken hat und deutlich nach Alkohol riecht.“
Daraufhin erzählte er mir ganz ehrlich, dass er seit mehreren Jahren nicht mehr bei einer Frau gewesen war.
Die Begegnung bedeutete für ihn großen Stress, und deshalb hatte er vorher etwas Alkohol getrunken, um sich zu entspannen und lockerer zu werden.
Ich konnte seinen Grund sehr gut verstehen.
Aber an meiner Entscheidung änderte das nichts.
Denn ein Mensch reagiert unter Alkoholeinfluss anders, kann sich schlechter konzentrieren, und für mich wird eine solche Begegnung psychisch deutlich anstrengender.
Ich hätte den kompletten Betrag nehmen können.
Ich hätte die Begegnung beginnen können.
Und kurze Zeit später hätte ich sagen können: „Tut mir leid, es funktioniert nicht.“
Und ihn vor die Tür setzen können.
Formal wäre das Geld dann bei mir gewesen.
Aber wozu?
Mein eigenes inneres Wohlbefinden ist mir wichtiger, als um jeden Preis Geld zu verdienen.
Ich erklärte ihm meine Position ruhig.
Er akzeptierte sie genauso ruhig.
Bevor er ging, ließ er mir von sich aus 50 Euro da.
Nicht, weil ich es verlangt hatte.
Sondern weil er verstanden hatte, dass die Zeit für ihn reserviert gewesen war und die Begegnung aus einem Grund nicht stattfinden konnte, der auf seiner Seite lag.
Er entschuldigte sich.
Ich bedankte mich.
Und wir gingen vollkommen normal auseinander.
Ohne schlechte Bewertung.
Ohne gegenseitige Vorwürfe.
Ohne fünf Seiten Drama im Forum.
Offenbar sind erwachsene Menschen manchmal tatsächlich in der Lage, einfach miteinander zu reden.
Erstaunlich, oder? 😄
Und noch eine Begegnung, die fast genauso endete.
Vor Kurzem gab es eine andere Situation.
Ein Mann kam zu mir und merkte schon während unseres Vorgesprächs, dass er meinen Service etwas anders verstanden hatte.
Das, was er erwartet hatte, und das, was ich anbiete, waren zwei verschiedene Dinge.
Natürlich hätten wir anfangen können:
„Aber ich dachte…“
„Aber Sie haben geschrieben…“
„Aber ich habe das so verstanden…“
„Aber warum dann…“
Aber wozu?
Wir haben miteinander gesprochen.
Er verstand, dass eine Begegnung in diesem Rahmen für ihn einfach nicht das Richtige war.
Er ließ mir 50 Euro für die aufgewendete Zeit da und ging.
Das war’s.
Niemand hat jemanden betrogen.
Niemand hat jemanden gedemütigt.
Niemand hat den anderen gezwungen, etwas zu tun, was er nicht möchte.
Zwei erwachsene Menschen haben einfach festgestellt, dass es an diesem Tag nicht passt.
Ehrlichkeit bringt manchmal weniger Geld. Dafür bewahrt sie viel mehr.
Ich erzähle diese Geschichten nicht, um zu sagen: „Schaut mal, wie richtig ich alles mache.“
Nein.
Jede Frau hat ihre eigenen Regeln.
Ihre eigenen Grenzen.
Ihre eigene finanzielle Situation.
Und ich behaupte keineswegs, dass jede genauso handeln muss wie ich.
Das ist meine Entscheidung.
Ich verzichte lieber auf Geld, wenn ich bereits merke, dass eine Begegnung für mich unangenehm oder für den Mann enttäuschend werden wird.
Denn manchmal verdient man vielleicht 100 oder 200 Euro – und bezahlt anschließend mit den eigenen Nerven einen wesentlich höheren Preis.
Aber an eine Sache glaube ich wirklich: Ehrlichkeit ist fast immer mehr wert als ein Konflikt.
Vorher sagen, was man nicht macht.
Nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden hat.
Ehrlich sagen, dass man getrunken hat.
Sagen, dass man etwas anderes erwartet hatte.
Die Begegnung beenden, bevor sie überhaupt angefangen hat.
Geld zurückgeben oder einen vernünftigen Kompromiss finden, wenn sich die Situation verändert.
Das ist keine Schwäche.
Das ist professionelle Reife.
Wir verlangen Respekt von Männern. Und wir selbst?
Hier möchte ich den Frauen in unserer Branche noch eine unbequeme Frage stellen.
Wir sagen völlig zu Recht:
„Respektiert unsere Grenzen.“
„Nein bedeutet Nein.“
„Ihr kauft keine Frau.“
„Geld gibt euch nicht das Recht, uns zu erniedrigen.“
Ich selbst sage das immer wieder.
Aber dann sollten wir auch konsequent sein.
Wenn ein Mann zu euch kommt, nachdem ihr selbst einen bestimmten Service angeboten habt, dann hat auch er das Recht, eine ehrliche und professionelle Behandlung zu erwarten.
Nicht euren Körper.
Nicht die bedingungslose Erfüllung einer Wunschliste.
Nicht Sex um jeden Preis.
Sondern professionelles Verhalten.
Und wenn sich etwas geändert hat – sagt es.
Wenn ihr etwas nicht wollt – sagt es.
Wenn ihr merkt, dass kein Kontakt möglich ist – sagt es.
Aber tut bitte nicht so, als wären Jugend und ein schöner Körper bereits eine vollständig erbrachte Dienstleistung.
Schönheit bringt einen Mann vielleicht zu euch.
Service ist das, wofür er bezahlt.
Vielleicht sind MILFs genau deshalb im Trend.
Und hier erlaube ich mir ein bisschen altersbezogene Eigenwerbung. 😜
Vielleicht sind erwachsene Frauen genau deshalb heute so gefragt.
Nicht, weil wir schöner wären als Zwanzigjährige.
Und auch nicht, weil uns nach dem vierzigsten Geburtstag bei einer geheimen weiblichen Zeremonie irgendwelche besonderen Kenntnisse überreicht werden.
Wir haben einfach schon einiges verstanden.
Unter anderem, dass die Welt nicht allein deshalb in Begeisterung ausbrechen muss, weil wir existieren.
Wir können kommunizieren.
Einen Menschen spüren.
Peinliche Situationen entschärfen.
Manchmal lachen.
Manchmal „Nein“ sagen, ohne den Mann dabei zu demütigen.
Und manchmal erkennen, dass es heute einfach nicht funktionieren wird – ohne um jeden Preis aus einer misslungenen Begegnung noch eine erfolgreiche Kasse machen zu wollen.
Erfahrung ist schließlich nicht die Anzahl der Lebensjahre.
Erfahrung ist die Anzahl der Situationen, aus denen man tatsächlich etwas gelernt hat.
Und vielleicht entdeckt ein Mann, sobald er irgendwann aufhört, ausschließlich mit dem Kopf zu denken, der sich unterhalb seiner Gürtellinie befindet, etwas ganz Erstaunliches:
Jugend zieht Aufmerksamkeit auf sich.
Professionalität sorgt dafür, dass man wiederkommt.
In dieser Arbeit gehört niemand irgendjemandem.
Vielleicht ist es genau das, worauf ich am Ende hinauswill.
Ein Mann kauft keine Frau.
Aber eine Frau bekommt auch nicht einfach dafür Geld, dass sie mit ihm im selben Raum ist.
Es gibt eine Vereinbarung.
Es gibt Grenzen.
Es gibt einen Service.
Es gibt den menschlichen Faktor.
Und es gibt grundlegenden Anstand auf beiden Seiten.
Manchmal liegt der Mann falsch.
Manchmal die Frau.
Und manchmal treffen einfach zwei Menschen aufeinander und merken, dass heute nichts Gutes daraus entstehen wird.
Auch das ist völlig normal.
Nicht normal ist etwas anderes: wenn ein Mann glaubt, sein Geld habe ihm das Recht gekauft, über eine Frau zu bestimmen.
Und wenn eine Frau glaubt, ihr Aussehen habe sie von der Notwendigkeit befreit, ihre Arbeit professionell zu machen.
Schönheit kann einen Mann bis zu eurer Tür bringen.
Aber mit welchem Gefühl er diese Tür später wieder verlässt, hängt längst nicht mehr vom Foto ab.
Und genau das nennt man wohl Arbeit.
Safe Space — ein Ort, an dem wir nicht nur ehrlich über Männer sprechen können. Sondern auch über uns selbst.



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