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Berichten, die mehr über Männer erzählen als über Frauen.

  • 31. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Jeden Tag erscheinen in den Foren neue Bewertungen. Zum Glück sind viele davon sachlich, respektvoll und helfen anderen Männern tatsächlich dabei, eine Entscheidung zu treffen. Solche Bewertungen sind sinnvoll.


Doch es gibt auch eine andere Kategorie.

Genau diese bringen mich immer wieder zum Nachdenken.

Nicht über die Frauen. Sondern über die Männer, die sie schreiben.

Denn manchmal entsteht der Eindruck, dass der Verfasser gar nicht bemerkt, dass sein Text in erster Linie ihn selbst beschreibt.



„Das ist ein Forum nur für Männer.“


Als ich mich einmal an einer Diskussion beteiligte und meine eigene Meinung äußerte, überraschte mich die Reaktion einiger Teilnehmer.

Mir wurde erklärt, ich hätte hier eigentlich gar kein Recht zu schreiben.

Schließlich sei das ein Forum ausschließlich für Männer.

In genau diesem Moment stellte sich mir eine einfache Frage.

Warum?


Wenn ihr Frauen besprecht, Frauen bewertet und über Frauen schreibt – warum sollte eine Frau nicht das Recht haben, ihre Sichtweise darzulegen?

Wird eine Meinung weniger wert, nur weil sie von einer Frau stammt?


Ganz ehrlich: solche Kommentare sagen über einen Menschen oft weit mehr aus, als ihm selbst bewusst ist.

Sie zeigen keine Stärke.

Sie zeigen die Angst davor, eine Meinung zu hören, die nicht der eigenen entspricht.



„Haltet uns keine Moralpredigten.“


Auch diesen Satz liest man erstaunlich oft.

„Hör auf, uns zu belehren.“


Jedes Mal muss ich dabei schmunzeln.

Ich bin weder eure Mutter noch euer Vater.

Wenn ihr erwachsene Männer seid, die selbst entscheiden, professionelle Frauen zu besuchen, dann seid ihr vermutlich auch erwachsen genug, eine andere Meinung auszuhalten, ohne euch sofort belehrt zu fühlen.


Eine andere Sichtweise zu äußern bedeutet nicht, jemandem eine Moralpredigt zu halten.

Manchmal bedeutet es einfach, dieselbe Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.



Eine Bewertung ist keine Lizenz zur Demütigung.


Es gibt noch etwas, das viele offenbar vergessen.

Eine ehrliche Bewertung zu schreiben, ist völlig in Ordnung.

Zu schreiben, dass euch eine Begegnung nicht gefallen hat, ebenfalls.


Aber warum muss daraus eine persönliche Demütigung werden?

Warum reichen die Fakten oft nicht aus?

Warum müssen plötzlich Alter, Aussehen, Körper oder Herkunft zum Thema werden?

Warum entsteht der Wunsch, nicht die Begegnung zu bewerten, sondern den Menschen dahinter zu verletzen?


Dabei würde oft schon ein einfacher Satz genügen.

„Es hat mir nicht gefallen.“

„Ich hatte etwas anderes erwartet.“

„Ich werde nicht noch einmal kommen.“


Mehr braucht es eigentlich nicht.

Ganz ohne Erniedrigung.



Wenn alles so schrecklich war … warum seid ihr geblieben?


Es gibt eine Sache, die ich bis heute nicht verstehe.


Manchmal liest man eine Bewertung und bekommt den Eindruck, dass die Katastrophe bereits in den ersten Minuten begonnen hat.

Die Frau sah angeblich anders aus.

Die Wohnung gefiel nicht.

Im Zimmer herrschte Unordnung.

Etwas wirkte ungepflegt.

Es entstand keine Sympathie.

Das berühmte deutsche Bauchgefühl war von Anfang an schlecht.


Und wisst ihr, was dann passiert?

…Die Begegnung fand trotzdem statt.


Genau hier möchte ich kurz innehalten.

Wenn ihr bereits in den ersten Minuten gespürt habt, dass etwas für euch nicht stimmt…

Warum seid ihr geblieben?

Wer hat diese Entscheidung getroffen?

Die Frau?

Nein.

Ihr.


Ihr habt euch entschieden, euer eigenes Bauchgefühl zu ignorieren.

Ihr habt euch entschieden, die Begegnung trotzdem fortzusetzen.

Ihr habt euch freiwillig auf etwas eingelassen, das ihr später selbst als „schrecklich“ beschrieben habt.


Warum liegt die Verantwortung anschließend plötzlich bei der Frau?

Nein.

Es war eure Entscheidung.

Eure Wahl.

Eure Verantwortung.

Man kann nicht einen anderen Menschen für die Folgen einer Entscheidung verantwortlich machen, die man selbst getroffen hat.


Ein erwachsener Mensch hat jederzeit das Recht, aufzustehen und zu gehen.

Ohne Streit.

Ohne Beleidigungen.

Und ohne anschließend das Bedürfnis zu verspüren, eine Frau mit einer schlechten Bewertung öffentlich zu bestrafen.


Manchmal ist schlechter Sex nicht die Schuld des anderen.

Manchmal ist er einfach das Ergebnis davon, dass man das eigene Bauchgefühl ignoriert hat.

Und sich das einzugestehen, ist oft wesentlich schwieriger, als später einen negativen Kommentar zu schreiben.



Und manchmal ist es genau umgekehrt.


Genauso nachdenklich machen mich manche überschwänglichen Bewertungen.

Man liest sie und hat das Gefühl, sie handeln von einer völlig anderen Person.


„Sie spricht perfektes Deutsch.“

Obwohl die Frau vielleicht nur ein paar Sätze beherrscht.


„Wir hatten tiefgründige Gespräche.“

Obwohl das Gespräch aus einigen Standardfragen bestand.


„Unglaubliche Chemie.“

Obwohl es offensichtlich eine ganz normale professionelle Begegnung war.


Dann frage ich mich: beschreibt ihr wirklich das, was passiert ist?

Oder beschreibt ihr das, was ihr gerne gespürt hättet?



Anonymität macht niemanden mutig.


Vielleicht ist das die größte Illusion des Internets.


Manche glauben, ein Nickname befreie sie von jeder Verantwortung.

Man könne alles schreiben.

Beleidigen.

Verspotten.

Erniedrigen.

Und es hätte keine Folgen.


Doch das Internet hat ein einfaches Gesetz nie außer Kraft gesetzt.

Jedes geschriebene Wort erzählt immer auch etwas über denjenigen, der es geschrieben hat.

Im echten Leben würden viele dieselben Dinge einem Menschen niemals ins Gesicht sagen.

Weil sie die Konsequenzen kennen.

Der Bildschirm vermittelt ein Gefühl von Sicherheit.

Er macht Worte aber nicht respektvoller.



Bewertungen bedeuten auch Verantwortung.


Bewertungen sind wichtig.

Sie helfen.

Sie warnen.

Sie ermöglichen anderen Menschen, eine eigene Entscheidung zu treffen.


Doch zwischen einer ehrlichen Bewertung und einer öffentlichen Demütigung liegt ein gewaltiger Unterschied.

Und diese Grenze erkennt ein erwachsener Mensch normalerweise.

Wenn nicht… liegt das Problem vielleicht längst nicht mehr bei der Frau, über die geschrieben wird.



Am Ende…

Je länger ich Bewertungen in Foren lese, desto weniger erzählen sie mir über Frauen.

Und desto mehr erzählen sie mir über die Männer, die sie schreiben.


Darüber, ob jemand Verantwortung für seine eigenen Entscheidungen übernehmen kann.

Ob er respektvoll über andere Menschen spricht.

Ob er eigene Fehler eingestehen kann.

Oder ob er immer einen Schuldigen braucht.


Das Paradoxe ist: viele glauben, sie würden eine Frau bewerten.

In Wirklichkeit wird jedoch jede Bewertung zu einem Spiegel ihres Verfassers.

Sie zeigt seine Erziehung.

Seine Art zu kommunizieren.

Seinen Respekt gegenüber Frauen.

Und seine Fähigkeit, anderen Menschen mit Würde zu begegnen.


Deshalb denke ich beim Lesen mancher Bewertungen immer seltener an die Frau, über die geschrieben wurde.

Und immer häufiger an den Mann, der auf „Veröffentlichen“ geklickt hat.


Denn eine Bewertung ist nicht nur eine Meinung über einen anderen Menschen.

Sie ist zugleich eine erstaunlich genaue Beschreibung ihres Autors.


Schreibt, was ihr möchtet. Aber vergesst nie: wir lesen nicht nur, was ihr über eine Frau schreibt. Wir lesen auch, was ihr – oft unbewusst – über euch selbst erzählt.



Safe Space ist ein Ort, an dem man offen darüber sprechen kann.

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