top of page

Verantwortung des Vermieters und Verantwortung der Frau – wo liegt die gesetzliche Grenze?

  • 4. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Apr.

In der Praxis der Sexarbeit entsteht häufig Unsicherheit darüber,

wer wofür verantwortlich ist und wer haftet, wenn Probleme auftreten.


Manche Vermieter sagen:

„Das ist deine Verantwortung.“

„Ich vermiete nur das Zimmer.“

„Wenn etwas passiert, haftest du selbst.“


Das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) wurde genau deshalb eingeführt:

um Zuständigkeiten klar zu regeln und Frauen vor solchen Verschiebungen der Verantwortung zu schützen.


Schauen wir uns das einfach und verständlich an.




Wofür die Frau verantwortlich ist.


Nach dem Gesetz ist die Verantwortung der Frau klar begrenzt.

Sie sind für sich selbst verantwortlich – nicht für das gesamte System.


Das bedeutet konkret - Sie müssen:

  • eine gültige Anmeldung oder einen Alias besitzen;

  • eine gültige Bescheinigung über die gesundheitliche Beratung vorweisen können;

  • freiwillig arbeiten;

  • die gesetzliche Kondompflicht einhalten;

  • ehrliche Vereinbarungen mit dem Kunden treffen (keine vorsätzliche Täuschung).


💡 Vereinfacht gesagt:

Ihre Verantwortung betrifft Ihre Dokumente, Ihre Zustimmung und Ihre Entscheidungen.


Sie sind nicht verpflichtet:

  • andere Frauen zu kontrollieren;

  • die rechtlichen Pflichten des Vermieters zu überwachen;

  • für organisatorische oder betriebliche Abläufe zu haften.




Wofür der Vermieter verantwortlich ist.


Die Verantwortung des Vermieters ist deutlich umfangreicher.


Nach dem ProstSchG ist der Vermieter verpflichtet:

  • nur registrierte Frauen arbeiten zu lassen;

  • gültige Dokumente zu kontrollieren;

  • sicherzustellen, dass die Tätigkeit freiwillig erfolgt;

  • keine Strafzahlungen, Schuldenmodelle oder Druck auszuüben;

  • keine Ausweisdokumente einzubehalten;

  • transparente und nachvollziehbare Mietbedingungen festzulegen;

  • grundlegende Sicherheit zu gewährleisten;

  • die Kondompflicht umzusetzen (z. B. durch entsprechende Hinweise und Aushänge);

  • mit Kontrollbehörden zusammenzuarbeiten;

  • personenbezogene Daten zu schützen (Datenschutz).



💡 Vereinfacht gesagt:

Der Vermieter ist für die Rahmenbedingungen, die Organisation und die Struktur verantwortlich.




Warum „Du hast doch zugestimmt“ kein ausreichendes Argument ist.


Ein besonders wichtiger Punkt.


Manchmal wird gesagt:

„Du hast doch zugestimmt.“

„Niemand hat dich gezwungen.“


Doch juristisch ist entscheidend, unter welchen Umständen eine Zustimmung erfolgte.


Wenn faktisch:

  • Strafzahlungen oder Schulden bestanden,

  • Druck oder Angst ausgeübt wurde,

  • ein Ablehnen von Kunden nicht möglich war,

  • ein Verlassen der Situation erschwert wurde,


dann gilt eine formale Zustimmung nicht als freiwillig.


💡 Vereinfacht gesagt:

Wenn es keine reale Wahl gab, erkennt das Gesetz dies.


In solchen Fällen liegt die Verantwortung beim Vermieter – nicht bei der Frau.




Was bei Kontrollen geschieht.


Wenn alles ordnungsgemäß ist:

  • werden Dokumente geprüft;

  • Daten aufgenommen;

  • die Kontrolle verläuft in der Regel ruhig.


Bei Verstößen:

  • wird zunächst geprüft, ob der Vermieter seinen Pflichten nachgekommen ist;

  • wird untersucht, ob Druck oder Abhängigkeit bestand;

  • werden die Arbeitsbedingungen bewertet.


Die Frau ist nicht automatisch „Hauptverantwortliche“, wenn die Problematik aus den Rahmenbedingungen entsteht.




Wofür eine Frau nicht verantwortlich gemacht werden darf.


Ein sehr wichtiger Punkt.


Sie dürfen nicht verantwortlich gemacht werden für:

  • gesetzliche Verstöße des Vermieters;

  • unrechtmäßige Zulassung zur Tätigkeit;

  • verhängte Strafzahlungen oder unzulässige Gebühren;

  • Kontrolle oder Druck durch Dritte;

  • aufgezwungene Bedingungen.



💡 Wenn der Vermieter gegen das Gesetz verstößt, liegt die Verantwortung bei ihm.




Warum dieses Wissen wichtig ist.


Dieses Wissen:

  • reduziert Angst bei Kontrollen;

  • verhindert, dass man fremde Schuld übernimmt;

  • schützt vor Druck und Manipulation;

  • schafft Klarheit über eigene Rechte.




Fazit.


Zusammengefasst:

Sie sind für sich selbst verantwortlich.

Der Vermieter ist für die Rahmenbedingungen verantwortlich.


Wenn Ihnen gesagt wird:

„Das ist dein Problem.“

„Du bist selbst schuld.“

„Du wirst dafür haften.“


dann entspricht das häufig nicht der gesetzlichen Realität.


Das Gesetz richtet seinen Blick in erster Linie auf diejenigen, die Strukturen schaffen und wirtschaftlich davon profitieren — nicht auf diejenigen, die darin arbeiten.



Safe Space ist ein Ort, an dem man offen darüber sprechen kann.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page