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Hunderte Nachrichten am Tag: Wenn WhatsApp zum zweiten Job wird

23. Aug.
7 Min. Lesezeit

Es gibt ein Problem, über das sich ein Gast wahrscheinlich überhaupt keine Gedanken macht, wenn er die nächste Nachricht verschickt.

Er sieht die Anzeige einer Frau und schreibt ihr. Dann der zweiten. Der dritten. Der fünften. Der zehnten. Er fragt nach Preisen, Service, Uhrzeiten, stellt noch ein paar zusätzliche Fragen – und jedes Mal wirkt es so, als wäre es doch nur eine kurze Nachricht.


Aber die Frau auf der anderen Seite des Handys sieht ein völlig anderes Bild.

Besonders deutlich merkt man das, wenn man zum Arbeiten an einen neuen Ort kommt. Ich wechsle relativ häufig Städte und Apartments und erlebe dabei immer wieder dasselbe: gerade in den ersten Tagen steht das Handy manchmal praktisch nicht still. Während man noch unterwegs ist, sammeln sich bereits die Nachrichten. Man kommt an, packt seine Sachen aus, beginnt zu arbeiten – und versucht gleichzeitig, Dutzende neue Chats abzuarbeiten.


Und hier stellt sich eine Frage, die ich schon lange einmal stellen wollte: warum schreibt man gleichzeitig so vielen Frauen, wenn die grundlegenden Informationen in den meisten Fällen ohnehin fast identisch sein werden?


An einem bestimmten Ort gibt es normalerweise ein gewisses Preisniveau. Natürlich gibt es Ausnahmen. Die eine Frau bietet vielleicht einen umfangreicheren Service an, eine andere einen etwas eingeschränkteren. Jemand arbeitet etwas günstiger, jemand etwas teurer. Manchmal gibt es auch deutliches Preisdumping. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Außerdem haben sowohl die Kolleginnen als auch die Betreiber der Apartments ein Interesse daran, ein bestimmtes Preisniveau zu halten, damit die Arbeit nicht zu einem endlosen Wettbewerb nach dem Motto „Wer macht es billiger?“ wird.


Wenn Ihnen also eine bestimmte Frau gefällt, Sie ihre Anzeige gesehen haben und Alter, Aussehen, Ort und angebotener Service für Sie passen – dann wäre es vielleicht einfacher, genau dieser Frau zu schreiben und einen Termin zu vereinbaren, anstatt bei zehn Frauen gleichzeitig Preislisten einzusammeln.


Denn für Sie sind zehn Nachrichten an zehn Frauen einfach zehn kurze Anfragen.

Für jede einzelne dieser Frauen ist Ihre Anfrage aber eine von Dutzenden oder manchmal sogar Hunderten, die sie an diesem Tag beantworten muss.


Und genau hier beginnt die Menge eine Rolle zu spielen.

Ich wechsle oft Städte und erlebe fast jedes Mal dieselbe Situation. Gerade in den ersten Tagen nach meiner Ankunft kann die Zahl der Nachrichten enorm sein.

Mein persönlicher Rekord: über 600 Nachrichten an einem einzigen Tag.

Sechshundert!

Spoiler: an diesem Tag kamen NUR 5 Gäste.


Aber hinter der Zahl „600“ stehen nicht einfach nur 600 Benachrichtigungen auf einem Handybildschirm.

Jede Nachricht muss geöffnet werden. Gelesen werden. Man muss verstehen, was derjenige eigentlich wissen möchte. Antworten. Preise und Bedingungen schicken. Manchmal eine Uhrzeit klären. Dann die nächste Nachricht lesen. Und die nächste.


Wenn jemand tatsächlich vorhat zu kommen, ist das vollkommen normal. Es gehört zur Arbeit.

Aber eine enorme Zahl dieser Chats führt zu gar nichts.

Und manchmal merkt man das praktisch von Anfang an.

Der Mann bekommt alle notwendigen Informationen: Preis, Bedingungen, Adresse, verfügbare Uhrzeit.


Eigentlich wäre es danach ziemlich einfach: passt es – vereinbaren wir einen Termin. Passt es nicht – bedankt man sich und geht seiner Wege.


Stattdessen beginnt:

„Und was noch?“

„Und wenn wir es so machen?“

„Magst du eigentlich…?“

„Erzähl mal…“

„Was machst du gerade?“

Und zwanzig Nachrichten später stellt sich heraus, dass derjenige überhaupt nicht vorhatte zu kommen.


Manchmal passt sein Budget nicht. Manchmal befindet er sich in einer völlig anderen Stadt. Manchmal ist ihm einfach langweilig. Und manchmal wird der Chat selbst für ihn zur Unterhaltung oder zu einer Möglichkeit, seine Fantasien kostenlos auszuleben.


Jemand könnte jetzt denken: „Was ist denn schon dabei? Ich habe doch nur ein paar Nachrichten geschrieben.“

Und damit hätte er sogar recht.


Das Problem ist nicht ein Mann und auch nicht zwei Nachrichten. Das Problem entsteht, wenn Dutzende oder Hunderte Menschen gleichzeitig dasselbe tun.


Auf der anderen Seite des Bildschirms sitzt währenddessen aber ein Mensch, der arbeitet.

Und genau das wird erstaunlich oft vergessen.



Kostenlos bedeutet nicht wertlos.


Wenn Sie zu einem Anwalt, Arzt, Friseur oder Bankberater gehen, kämen Sie vermutlich kaum auf die Idee, stundenlang seine Arbeitszeit in Anspruch zu nehmen, nur weil Ihnen gerade nach einem Gespräch ist.


In dieser Branche scheinen aus irgendeinem Grund andere Regeln zu gelten.

Als hätte eine Frau mit dem Schalten einer Anzeige und der Angabe ihrer Telefonnummer automatisch zugestimmt, rund um die Uhr als kostenlose Gesprächspartnerin zur Verfügung zu stehen.


Aber eine WhatsApp-Nummer in einer Anzeige ist eine Kontaktmöglichkeit – keine Einladung zu einer endlosen Unterhaltung.


Und es geht nicht einmal darum, dass eine Frau „keine Lust zu reden“ hat. Viele haben überhaupt kein Problem mit Nachrichten. Ich selbst versuche zum Beispiel, korrekt zu bleiben, Fragen zu beantworten und alles Notwendige in Ruhe zu erklären. Kolleginnen wundern sich manchmal sogar darüber, wie viel Geduld ich bei solchen Chats habe.


Aber auch Geduld hat irgendwann eine ziemlich mathematische Grenze.

Denn es ist schlicht unmöglich, gleichzeitig Dutzenden Menschen zu antworten und jedem Einzelnen so viel Zeit zu widmen, wie er gerne hätte.



Und manchmal verliert man dadurch einen echten Gast.


Stellen Sie sich eine ganz normale Situation vor.

In WhatsApp warten gleichzeitig zwanzig ungelesene Chats. In einem stellt jemand seit fünfzehn Minuten Fragen, obwohl er gar nicht vorhat zu kommen. Im zweiten erzählt jemand ausführlich von seinen Fantasien. Im dritten wird nach Dingen gefragt, die bereits in der Anzeige stehen.


Und irgendwo dazwischen befindet sich eine kurze Nachricht:

„Hallo. Sind Sie in 30 Minuten frei?“

Dieser Mann wollte tatsächlich kommen.

Aber die Frau sieht seine Nachricht erst vierzig Minuten später.

Inzwischen hat er bereits woanders einen Termin vereinbart.


Das ist nicht einfach nur genervtes Augenrollen über das Handy.

Das ist verlorener Verdienst.


Und das Paradoxe daran ist, dass man anschließend genau die gegenteilige Beschwerde hört:

„Warum antwortet ihr so langsam?“

Oder:

„Warum antworten die Frauen immer so kurz und kühl?“


Weil hinter Ihrer Nachricht manchmal noch fünfzig weitere stehen.



Warum manche Frauen WhatsApp komplett aus ihren Anzeigen entfernen.


Ich kenne Kolleginnen, die genau aus diesem Grund vollständig auf Chats verzichten und in ihren Anzeigen nur noch telefonischen Kontakt anbieten.


Andere versuchen, ihre Antworten so kurz wie möglich zu halten.


Und dann gibt es Frauen, die nach der Arbeit an bestimmten Orten einfach sagen:

„Da fahre ich nicht mehr hin.“

Nicht unbedingt, weil dort wenig Interesse besteht. Manchmal ist sogar genau das Gegenteil der Fall – das Handy steht nicht still.


Nur sind Interesse und tatsächliches Ergebnis zwei völlig verschiedene Dinge.

Man kann den ganzen Tag Nachrichten beantworten, Informationen verschicken, Termine vereinbaren und Bedingungen erklären – und am Ende erscheinen die Leute einfach nicht. Einer überlegt es sich anders und sagt nicht ab. Einer hatte von Anfang an nicht vor zu kommen. Ein anderer vereinbart einen Termin und verschwindet.


Am Ende verbringt die Frau mehrere Stunden ihres Arbeitstages mit Kommunikation, die überhaupt kein Ergebnis bringt.

Und irgendwann kommt sie zu einem ziemlich einfachen Schluss: warum soll ich in eine Stadt zurückkehren, in der ich mehr bei WhatsApp arbeite als bei meiner eigentlichen Arbeit?

Das ist keine Übertreibung. Ich kenne tatsächlich Frauen, die genau aus diesem Grund nicht mehr an bestimmte Orte zurückkehren.


Es gibt allerdings noch eine andere Möglichkeit.

Manche Frauen beschäftigen eine sogenannte Telefonfrau – also jemanden, der die Nachrichten übernimmt, Anfragen beantwortet, Informationen verschickt und Termine koordiniert.

Und auch das geschieht nicht aus Bequemlichkeit oder weil eine Frau „zu faul ist, selbst zu antworten“.


Wenn die Zahl der Nachrichten zu groß wird, ist es schlicht unmöglich, gleichzeitig zu arbeiten, Gäste zu empfangen, alltägliche Dinge zu erledigen, unterwegs zu sein – und nebenbei noch Dutzenden Menschen sofort bei WhatsApp zu antworten.

Manchmal kommt zusätzlich die Sprache hinzu. Nicht jede Frau, die zum Arbeiten nach Deutschland kommt, spricht so fließend Deutsch, dass sie schnell und sicher Dutzende parallele Chats führen kann. Dann hilft eine Person, die die Sprache gut beherrscht und die Besonderheiten dieser Arbeit kennt, auch dabei, Missverständnisse zu vermeiden.


Aber auch eine Telefonfrau arbeitet nicht kostenlos.

Und das ist nur eines dieser kleinen Details, über die sich ein Gast normalerweise keine Gedanken macht, wenn er über Preise diskutiert.

Miete.

Werbung.

Fahrtkosten.

Arbeitskosten.

Manchmal eine Person, die sich um die Kommunikation kümmert.

Und erst danach kommt der Verdienst der Frau selbst.


Wenn also wieder einmal die Frage kommt: „Warum ist das so teuer?“, möchte man manchmal antworten: weil hinter der Zahl in der Anzeige wesentlich mehr Arbeit und wesentlich mehr Kosten stecken, als ein Mensch vermutet, der nur die eine Stunde der Begegnung sieht.


So entsteht am Ende eine ziemlich merkwürdige Situation.

Männer möchten in ihrer Stadt eine gute Auswahl an Frauen haben. Sie möchten, dass neue Frauen kommen. Sie möchten schnelle, ausführliche und freundliche Antworten bei WhatsApp bekommen.

Gleichzeitig produziert ein Teil von ihnen aber so viel Kommunikation ohne jedes Ergebnis, dass Frauen anfangen, knapper zu antworten, WhatsApp ganz aus ihren Anzeigen entfernen, die Kommunikation an andere Personen abgeben – oder schlicht nicht mehr in diese Stadt zurückkehren.


Und dann kommt irgendwann die nächste Frage: „Warum kommt hier eigentlich niemand Vernünftiges mehr hin?“

Vielleicht findet sich die Antwort manchmal in der eigenen Chat-Historie.



Ein bisschen Respekt würde das Problem schon lösen.


Niemand verlangt, dass Sie einer Frau ausschließlich schreiben:

„30 Minuten. 18 Uhr. Adresse?“


Kommunikation darf ganz normal, lebendig und angenehm sein.

Man kann nachfragen, was wirklich wichtig ist.

Man kann eine Frage stellen, wenn die Information nicht in der Anzeige steht.

Man kann klären, ob ein bestimmter Service möglich ist.

Man kann einen Termin vereinbaren.

Darum geht es überhaupt nicht.


Es geht um eine ganz einfache Sache: wenn Sie bereits wissen, dass Sie ohnehin nicht vorhaben zu kommen, machen Sie die Arbeitszeit eines anderen Menschen nicht zu Ihrer kostenlosen Unterhaltung.

Das Budget passt nicht – völlig in Ordnung.

Sie haben es sich anders überlegt – auch in Ordnung.

Die Bedingungen passen nicht – ebenfalls vollkommen in Ordnung.

Dann kann man einfach schreiben: „Danke, das passt für mich nicht.“


Aber einem Menschen Dutzende Fragen zu stellen, obwohl man von Anfang an nicht vorhat, ihn zu besuchen, hat nichts mehr mit Informationsbeschaffung zu tun.


Es bedeutet, die Zeit eines anderen Menschen für sich zu beanspruchen.


Und vielleicht beginnt Respekt in dieser Branche gar nicht mit großen, schönen Worten.


Manchmal beginnt er mit einem ganz einfachen Gedanken:

„Muss ich das wirklich fragen – oder ist mir gerade einfach nur langweilig?“



Safe Space ist ein Ort, an dem man offen darüber sprechen kann.

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