«DICK PIC: eine unaufgeforderte Präsentation der Vermögenswerte»
Es gibt eine Form der männlichen Kommunikation, für die ich bis heute noch keine passende Etikette gefunden habe.
Das Dickpic.
Wobei man fairerweise sagen muss: Nicht jede Frau weiß überhaupt, was das ist.
Neulich sage ich zu einer Kollegin:
— Stell dir vor, ich habe schon wieder ein Dickpic bekommen.
Sie schaut mich mitfühlend an:
— Oh nein … kenne ich nicht. Ich bin bei der Sparkasse.
Und irgendwie hat sie damit sogar recht.
Denn die entscheidende Frage ist gar nicht, warum ein Mann so etwas verschickt. Das weiß vermutlich zumindest er selbst.
Die entscheidende Frage ist: was soll eine Frau eigentlich machen, nachdem sie eins bekommen hat?
Sich bedanken? „Danke, ist angekommen. Der Anhang lässt sich öffnen.“
Ein Like geben?
Ein Herz schicken? Das wirkt irgendwie schon zu ermutigend.
Ein 🔥? Noch schlimmer. Am Ende denkt der Mann, er hätte das Casting bestanden.
Natürlich gibt es noch den Affen, der sich die Augen zuhält. 🙈 Aber ich glaube, Affe hat inzwischen so viele Penisse gesehen, dass er die Augen nur noch wegen eines beruflichen Burn-outs schließt.
Man kann natürlich auch gar nicht antworten.
Aber dann sitzt der Mann vielleicht irgendwo mit dem Handy in der Hand und wartet auf seine Rezension.
„Und? Wie findest du ihn?“
Ja, was soll man darauf antworten?
„Interessante Komposition. Das Licht kommt leicht von oben. Der Horizont ist etwas schief. Eigenes Werk oder ein Foto aus dem Internet?“
Denn auch Letzteres kann einem schließlich niemand garantieren.
Manchmal bekommt man derart beeindruckende Exemplare zugeschickt, dass der erste Gedanke nicht einmal „Wow“ ist, sondern: „Gibt es dafür eigentlich Papiere?“
Ich bin mir schließlich überhaupt nicht sicher, ob der Absender tatsächlich der rechtmäßige Eigentümer des präsentierten Vermögenswertes ist.
Es gibt aber noch einen großen männlichen Mythos, den die Liebhaber des genitalen Flirts besonders hartnäckig pflegen: je größer, desto besser.
An dieser Stelle wage ich es einfach mal, im Namen sehr vieler Frauen zu sprechen.
Nein.
Im Porno funktioniert das hervorragend. Dort funktioniert überhaupt erstaunlich viel hervorragend: Schnitt, Kamerawinkel und menschliche Fähigkeiten, von deren Existenz ein gewöhnlicher Körper nicht einmal etwas ahnt.
Im echten Leben ist der weibliche Körper allerdings ein bisschen anders gebaut.
Wir haben da drin keine Flugzeughalle.
Kein Amazon-Lager.
Und auch keinen Eurotunnel.
Da hängt kein Schild: „Durchfahrt für Schwer- und Großraumtransporte frei.“
Wenn ein Mann also besonders imposante Ausmaße präsentiert und dabei aussieht, als hätte er gerade ein amtliches Qualitätssiegel vorgelegt, betrachtet eine Frau das Foto möglicherweise mit einer ganz anderen Art von Erstaunen, als er sich vorgestellt hat.
Er denkt: „Sie ist beeindruckt.“
Sie denkt: „Um Gottes willen. Bloß nicht zu mir.“
Besonders faszinierend finde ich allerdings die Kombination aus männlichen anatomischen Ambitionen und gewissen anatomischen Ängsten.
Viele Männer vermeiden zum Beispiel kategorisch Cunnilingus.
Warum?
Na ja.
Man weiß ja nie.
Vielleicht gibt es da ein Echo.
Das ist schon ein bemerkenswerter Moment.
Eine Frau soll also voller Begeisterung ein Objekt empfangen, das auf dem Foto aussieht, als bräuchte es eine Baugenehmigung — aber der Mann macht sich Sorgen, dass er selbst sich in den Räumlichkeiten verirren könnte?
Nein, meine Herren.
Entweder hören wir alle gemeinsam auf, an bodenlose weibliche Weiten zu glauben — oder wir statten euch mit Helm, Taschenlampe und Geländeplan aus.
Vor Kurzem habe ich allerdings etwas gelesen, das meine Sicht auf die männliche Anatomie grundlegend verändert hat.
Und ich warne euch gleich: vielleicht wolltet ihr das gar nicht wissen.
Aber jetzt weiß ich es.
Und ich weigere mich, mit diesem Wissen allein weiterzuleben.
Ich bin im Internet über die Behauptung gestolpert, dass männliche Hoden in irgendwelchen Geschichten rund um Organspenden und Medizin angeblich völlig wahnsinnige Summen wert sein können.
Ich saß da und starrte auf den Bildschirm.
Millionen?
MILLIONEN?!
Und plötzlich betrachtete ich meine gesamte berufliche Biografie aus einer völlig neuen Perspektive.
So viele Jahre.
So viele Männer.
So viele Möglichkeiten.
Und die ganze Zeit habe ich für das Falsche Geld genommen.
Noch nie in meinem Leben war ich dem großen Geld so nah — und gleichzeitig so erschreckend weit vom richtigen Geschäftsmodell entfernt.
Wenn mir heute also jemand ein Dickpic schickt, ärgere ich mich nicht mehr.
Ich schaue ganz genau hin.
Man weiß ja nie.
Vielleicht hat mir der Mann gerade einfach nur sein Investmentportfolio geschickt. 😏



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