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Warum ist sie erst gegen Ende des Treffens „aufgetaut“?

6. Sept.
5 Min. Lesezeit

Mir hat ein Leser eine interessante Nachricht geschrieben. Und ich bin ihm wirklich dankbar dafür – denn manchmal reicht eine einzige Frage, um eine ganz alltägliche Situation plötzlich aus einem etwas anderen Blickwinkel zu betrachten.

Er schrieb, dass er sich beim Lesen meiner Artikel schon mehrmals selbst wiedererkannt habe. Und dann stellte er eine auf den ersten Blick ziemlich einfache Frage: warum kommt es manchmal vor, dass eine Frau erst gegen Ende eines 30-minütigen Treffens langsam „auftaut“?


Und ich habe darüber nachgedacht.

Denn eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht.


Die einfachste Erklärung ist: vielleicht braucht sie die ersten Minuten tatsächlich, um überhaupt zu verstehen, wer da vor ihr steht.

Der Kunde weiß bereits, warum er gekommen ist. Vielleicht hat er sich die Frau vorher ausgesucht, ihre Fotos angesehen, ihre Beschreibung und Bewertungen gelesen und sich das Treffen bereits vorgestellt. In seinem Kopf hat es gewissermaßen schon begonnen, bevor sich überhaupt die Tür öffnet.


Für die Frau ist die Situation etwas anders.

Sie öffnet die Tür – und sieht diesen Menschen zum ersten Mal.

Und manchmal dienen die ersten Minuten einfach dazu, die Situation innerlich abzuscannen. Wie spricht er? Wie verhält er sich? Hört er ihr zu? Hält er sich an Absprachen? Was passiert, wenn sie „Nein“ sagt? Kann sie sich in seiner Nähe entspannen oder sollte die innere Hand lieber noch auf dem Alarmknopf bleiben?


Und wenn sie nach fünfzehn oder zwanzig Minuten plötzlich gesprächiger und herzlicher wird, anfängt zu lachen oder selbst Initiative zeigt, bedeutet das nicht unbedingt, dass der Mann in diesen zwanzig Minuten eine unglaubliche Verführungskunst vollbracht hat.

Manchmal bedeutet es etwas viel Prosaischeres: „Puh. Ein ganz normaler Typ.“

Und vielleicht ist das eines der besten Komplimente, die ein Mann niemals laut hören wird.


Aber es gibt auch eine andere Seite.



Arbeiten nach Drehbuch.


Manche Frauen arbeiten tatsächlich fast wie auf Autopilot. Begrüßung, Dusche, ein paar vertraute Sätze, eine bestimmte Reihenfolge, Verabschiedung.

Dasselbe Schema kann sich Dutzende oder Hunderte Male wiederholen. In gewisser Weise ist das auch ein Schutzmechanismus. Ein festes Schema schafft Struktur und ermöglicht es, sich nicht bei jedem Treffen emotional einzulassen.


Aber es hat einen Nachteil.

Sobald ein Kunde unerwartet von der gewohnten Reihenfolge abweicht – nicht indem er Grenzen überschreitet, sondern einfach, indem er sich anders verhält –, gerät die Frau aus ihrem Rhythmus.

Er möchte reden, wenn normalerweise nicht geredet wird. Er macht Witze. Wird langsamer. Möchte die Reihenfolge ändern. Reagiert anders als die zwanzig Männer vor ihm.

Und plötzlich meldet der innere Autopilot: „Route kann nicht neu berechnet werden.“


Dann entsteht Anspannung.

Und später erscheint im Forum eine Bewertung:

„Irgendwie kalt.“

„War schlecht gelaunt.“

„Unfreundlich.“

Obwohl manchmal niemand dem anderen etwas Böses wollte. Der eine kam einfach ohne Drehbuch – und die andere kann ohne Drehbuch noch nicht arbeiten.



Man kann natürlich auch spielen.


Es gibt noch eine andere Möglichkeit: man schaltet von der ersten Sekunde an die Schauspielerin ein.

Begeisterung. Leidenschaft. Ein verführerischer Blick. Ach, was für ein Mann. So einen hatte ich noch nie. Was für eine unglaubliche Chemie zwischen uns – ungefähr sieben Sekunden nach der Bezahlung.


Technisch gesehen geht das.

Und manche Frauen können das sogar ausgesprochen gut.


Aber schlechtes Schauspiel merkt man sofort.

Wenn die Emotionen mechanisch wirken, die Berührungen mechanisch sind, das Stöhnen exakt nach Zeitplan einsetzt und der Gesichtsausdruck scheinbar mit dem eigentlichen Geschehen nichts zu tun hat – dann spürt der Kunde das.


Und dann ist er ebenfalls unzufrieden.

So entsteht eine ziemlich merkwürdige Erwartung: sei nicht kalt – aber tu bitte auch nicht so.


Und irgendwo zwischen diesen beiden Polen liegt das Schwierigste überhaupt: echter menschlicher Kontakt.



Sex ist auch Kommunikation.


Gerade junge Frauen, die in diesen Beruf einsteigen, verstehen manchmal nicht sofort eine Sache: auch das ist Arbeit.


Und dabei geht es nicht einmal nur um sexuelle Techniken.

Man muss kommunizieren können. Einen Menschen wahrnehmen. Grenzen spüren – die eigenen und die des anderen. Sich auf Situationen einstellen können. Eine entspannte Atmosphäre schaffen, ohne etwas vorzutäuschen, das gar nicht da ist.


Denn Intimität setzt selbst dann, wenn sie bezahlt wird, ein gewisses Maß an Vertrauen voraus.

Keine Liebe.

Keine Verliebtheit.

Nicht einmal unbedingt eine große körperliche Sympathie.

Aber zumindest einen Zustand, in dem zwei Menschen aufhören, einander als potenzielles Problem wahrzunehmen.


Vielleicht überrascht mich deshalb beim Lesen von Foren manchmal, wie gegensätzlich die Bewertungen über ein und dieselbe Frau sein können.

Ein Mann schreibt: „Unglaublich. Herzlich. Leidenschaftlich. Das beste Treffen seit Langem.“

Der nächste: „Kalt. Mechanisch. Nie wieder.“

Und man bekommt den Eindruck, als hätten die beiden zwei völlig unterschiedliche Frauen besucht.


Vielleicht war es emotional gesehen manchmal tatsächlich so.

Denn hier begegnen sich nicht eine Dienstleistung und ein Portemonnaie.

Hier begegnen sich zwei Menschen.



Und jetzt kommt der unangenehme Teil für die Männer.


Wenn wir die Situation schon von beiden Seiten betrachten, müssen wir noch über eine Sache sprechen.

Nicht jeder Mann ist gut im Sex.


Ja, ich weiß.

Irgendwo wurden gerade gleichzeitig drei Browserfenster geschlossen.


Aber das ist völlig normal.

Guter Sex ist ebenfalls eine Fähigkeit.

Den Körper eines anderen Menschen spüren. Reaktionen wahrnehmen. Den Rhythmus verändern können. Nicht hetzen. Berührungen verstehen. Nicht alles, was passiert, in die Abarbeitung des eigenen Programms verwandeln.


Und längst nicht jeder besitzt diese Fähigkeit.

Sich selbst einzugestehen: „Vielleicht bin ich im Bett gar nicht so gut“ ist allerdings wesentlich schwieriger als zu entscheiden: „Sie war irgendwie komisch.“


Und genau hier entsteht für die Frau manchmal eine zusätzliche Belastung.

Sie muss nicht nur ihre Arbeit machen, sondern sich gleichzeitig auf einen Menschen einstellen, der ihren Körper schlecht wahrnimmt, ihre Reaktionen nicht bemerkt oder einfach so handelt, wie er es gewohnt ist.

Das macht ihn nicht zu einem schlechten Kunden.

Und auch nicht zu einem schlechten Menschen.


Ein Mann kann ausgesprochen angenehm, höflich und respektvoll sein – und gleichzeitig überhaupt kein Gefühl für seine Partnerin im Bett haben.

Diese Eigenschaften können problemlos nebeneinander existieren.

Genauso wie eine Frau ein wunderbarer Mensch sein und ihre Arbeit trotzdem nur mittelmäßig machen kann.



Wer ist also schuld?


Manchmal niemand.

Sie war vielleicht angespannt.

Er vielleicht auch.

Sie hat vielleicht zu lange nach demselben Schema gearbeitet.

Er kam vielleicht mit seinem eigenen.

Sie erwartete ein bestimmtes Verhalten von ihm.

Er erwartete ein anderes von ihr.


Die ersten fünfzehn Minuten versuchten beide herauszufinden, was hier eigentlich gerade passiert, und in der fünfundzwanzigsten Minute haben sie endlich zueinandergefunden.

Und dann: „Deine 30 Minuten sind leider vorbei.“


Vielleicht ist genau das der Grund, warum sie erst gegen Ende „aufgetaut“ ist.

Nicht weil der Mann in den ersten zwanzig Minuten etwas falsch gemacht hat.

Sondern weil sie zwanzig Minuten gebraucht hat, um festzustellen, dass er nichts Falsches machen wird.

Oder vielleicht brauchten beide einfach ein bisschen Zeit, um ihre Rollen abzulegen und endlich den Menschen wahrzunehmen, der ihnen gegenübersteht.


Und genau das ist vielleicht einer der interessantesten Aspekte dieser intimen Arbeit.

Man kann einen Preis festlegen.

Man kann die Zeit festlegen.

Man kann vorher vereinbaren, welche Leistungen dazugehören.

Aber Kontakt lässt sich nicht per Knopfdruck einschalten.

Und manchmal braucht gerade er am meisten Zeit.


Und vielleicht möchte ich an dieser Stelle noch etwas ganz Einfaches sagen - macht euch das Leben nicht unnötig kompliziert.


Sucht nicht nach einem Problem, wo vielleicht überhaupt keines existiert.

Nicht jede Bewegung einer Frau ist eine Botschaft, die entschlüsselt werden muss. Und nicht jedes nicht ganz perfekte Treffen braucht einen Schuldigen.


Manchmal ist ein Blick einfach nur ein Blick.

Eine Pause einfach nur eine Pause.

Und gute Laune am Ende eines Treffens bedeutet manchmal tatsächlich nur: gute Laune am Ende eines Treffens.


Ihr seid wegen einer Dienstleistung gekommen. Ihr habt sie bekommen.

War sie gut – wunderbar.

War sie nicht besonders gut – auch das ist ein Ergebnis.

Zieht eure Schlüsse und lebt weiter.


Manchmal passen zwei Menschen zusammen.

Manchmal nicht.

Und manchmal passen sie erst in den letzten zehn Minuten zusammen.

Auch das ist völlig normal.


Und falls ihr euch trotzdem entscheidet, noch einmal zu genau der Frau zu gehen, die erst gegen Ende „aufgetaut“ ist – nehmt eine Stunde.

Vielleicht schafft ihr es diesmal sogar, euch kennenzulernen.



Safe Space ist ein Ort, an dem man offen darüber sprechen kann.

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